Die ZImmermänner
 

Die Zimmermänner

 

   



Die Zimmermänner
Fortpflanzungssupermarkt

CD / LP
VÖ: 02.03.2007
CD ZickZack ZZ 2018
Vertrieb:
Indigo (D), Hoanzl (A), RecRec (CH)




 


 


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(Foto: Martin Engel)

(Foto: Volker Rohloff)

   
   
 
 

DIE ZIMMERMÄNNER

Liner-Notes zum Album „Fortpflanzungssupermarkt
Von Anja Kelber

Die Zimmermänner stehen in einem Studio in Hamburg und sind konzentriert. Draußen vor dem Fenster geht die Sonne unter und wieder auf und Alsterwasser fließt einen Kanal hinauf, immer weiter hinauf, fließt so rasch wie das Jahr. Es ist ein Jahr weit nach dem Jahrtausendwechsel.
Die Zimmermänner beunruhigt das nicht – sie haben Zeit, seit 20 Jahren schon. 1985 dachten viele, sie wären weg vom Fenster, erledigt, hätten ihre letzte Platte gemacht. Doch die Zimmermänner schliefen nur. Das aber wussten nicht mal ihre Gründer.

Detlef Diederichsen und Timo Blunck trafen sich 1980 auf einem Schulhof. Beide wollten Musik mit deutschen Texten machen. Es sollte um den eigenen Alltag gehen, nicht um eine Wunsch-Gegenwart im Angelsächsischen. Wenige Monate später stand man zu sechst als Ede & die Zimmermänner in einem Studio. Alfred Hilsberg lud die Band ein, auf seinem neuen Label ZickZack eine Single zu machen. „Es hatte etwas Einzigartiges, Unvergleichbares“, sagt der deutsche Independent-Papst ein Vierteljahrhundert später.

Jetzt nicken Diederichsen und Blunck zum Sound, wippen mit den Füßen und beugen die Knie. Zimmermänner 2006, wer hätte das gedacht? Und dann geht der eine noch einmal in den Aufnahmeraum und singt eine endlose Reihe von Frauennamen ein, die erst „Exfreundinnen in alphabetischer Reihenfolge“ heißt und später „Tiefs“. Und der andere dreht an Knöpfchen und runzelt die Stirn und summt mit und muss immer bei den gleichen Namen lächeln. 1982 debütierte man mit „1001 Wege Sex zu machen, ohne daran Spaß zu haben“, „Fortpflanzungssupermarkt“ heißt das vorliegende Album, an dem die beiden Ur-Zimmermänner nun, über 20 Jahre nach der Trennung, arbeiten.

Es geht um Frauen und um Städte, um das Verhaftetsein im Alltag und die bloße Realität.
Die Zimmermänner knüpfen an die damaligen Themen an, bewegen sich im gleichen Kosmos wie mit Anfang Zwanzig – nur dass sie jetzt genau das richtige Alter haben für dieses ganze geballte Wissen. Diese Abgeklärtheit der jungen Zimmermänner, die trug auch zu ihrer außergewöhnlichen Bedeutung bei. „In ihren Texten war schon so eine Art Altersweisheit, die manche Leute völlig vor den Kopf gehauen hat“, sagt Förderer Hilsberg und erinnert sich auch an die Leichtigkeit in der Musik: „Das kann man sich nicht einfach so erarbeiten. Die müssen mit Popmusik aufgewachsen sein.“

Frauen und Städte. Dann noch das Lied, das am Hafen spielt. Das ist amüsant, raunt Freud um die Ecke, ganz so als gäbe es ein vereinendes Motiv. Vielleicht ist Freud aber auch ein Einfaltspinsel und Diederichsen der bessere Analytiker, wenn er sagt, das mit den Städtenamen zum Beispiel, das sei einfach so eine „schnöde Verankerung im tristen deutschen Alltag“. „Fortpflanzungssupermarkt“ ist eine Zeitreise. Sie beginnt 1982, da wurde der Opener „Levitenlesen in A-Dur“ komponiert und getextet. Sie stoppt kurz 1999, da luden die Zimmermänner den Produzenten Christoph Kaiser ein, sich ein wenig in einigen ihrer älteren Songs aufzuhalten. Für Kaiser würden Stücke wie „Ich bin ein Wurm“ und „Mama Baby Joe“ zwar heute etwas anders klingen. In Popzeit, sagt er, sei 1999 ja doch schon ganz schön lange her. Doch dann wäre „Paderborn“ vielleicht nicht der Tanzbodenkracher mit Fatboy-Slim-Charme, der er jetzt ist. Und vielleicht wäre die Reise anders verlaufen. So führt sie schließlich in das Studio am Kanal, wo Blunck und Diederichsen gerade eben noch komponierten, neue Songs einspielten, mischten, feilten. Nicht viele Platten können eine ähnliche Entstehungsgeschichte, einen solchen Reichtum an kollektivem Popwissen aufweisen.

Es wird viel getanzt in diesem Supermarkt. Im „Nirwana“ herrscht nicht nur die Realität gewordene Utopie, sondern auch ein ansprechender Elektrobeat, Rica Blunck hat mit „Letzter Tango in Bad Ems“ einen wunderschönen Gastauftritt und die luftige Hommage an „Christiane Paul“ ist jedes Jahr ein Sommerhit wert. „Mama Baby Joe“ dagegen ist so etwas wie eine Proleten-Ballade mit Eiern. Diederichsen schrieb den Text 1985 in der Uni-Mensa. Einen Abschluss hat er bis heute nicht.

Die vorliegende Musik ist nicht gemacht, um dazu Rollschuh zu fahren. Obwohl es die Zimmermänner vermutlich nicht stören würde. Die Songs verlangen Aufmerksamkeit. Sie selbst werfen einen wachen Blick auf die Bewegungen, Strömungen, Einflüsse im Pop der Gegenwart und der vergangenen Jahrzehnte. Alfred Hilsberg glaubt: „Die Zimmermänner haben es geschafft, mit ihrer Musik im Hier und Jetzt anzukommen.“ Richtig. Und dort gehen jetzt die Studiolichter aus und die Bühnenscheinwerfer an.

Anja Kelber arbeitet als freie Redakteurin und Autorin in Hamburg. In dem Jahr, in dem die Zimmermänner ihr Debütalbum vorlegten, wurde sie eingeschult.

www.zimmermaenner.net
www.bluwi.com
www.myspace.com/zimmermaenner


DIE ZIMMERMÄNNER-Chronik

 

Die Zimmermänner sind wieder da. Nach einer Pause von 23 Jahren melden sie sich mit ihrem dritten Album zurück. „Fortpflanzungssupermarkt“ enthält 14 neue Titel aus der Feder von Timo Blunck und Detlef Diederichsen. Wer ist wieder da? Die Zimmermänner ? Nicht jeder weiß, welche prägende Band sich zurückmeldet – schließlich sind nur noch ein paar Einzeltitel auf verschiedenen Compilations verfügbar. Ihre Originalalben erzielen auf Internetauktionen hohe Preise.

 

Seit Anfang der Achtziger standen Die Zimmermänner für eine ganz eigene deutschsprachige Pop-Vision. Timo Blunck und Detlef Diederichsen hatten sich in der Schule in Hamburg kennengelernt. Obwohl ihre musikalische Ausgangsbasis höchst unterschiedlich war, ließen sich beide von der aufkommenden Punk- und New-Wave-Euphorie anstecken und beschlossen, Popsongs in deutscher Sprache neu zu erfinden. Man bedenke: Zu dieser Zeit gab es nur Deutschrock wie Udo Lindenberg, Liedermacher wie Reinhard Mey und den deutschen Schlager. Alles sehr steif, sehr angestrengt, sehr deutsch. Textlich interessanter waren die ersten Gehversuche von DAF, S.Y.P.H. oder Mittagspause, aber mit Pop hatte das eher wenig zu tun.

 

Diverse Singles sowie die Alben „1001 Wege Sex zu machen ohne daran Spaß zu haben“ (ZickZack, 1982), „Zurück in der Zirkulation“ (Mini-LP, ZickZack, 1983) und „Goethe“ (AtaTak, 1984) zeigen, wie die Songschreiber Blunck und Diederichsen versuchten, mit unterschiedlichen Besetzungen, so was wie Leichtigkeit, Verspieltheit und eine bislang ungekannte Emotionalität in die Welt der deutschsprachigen Popularmusik einzubringen.

 

Anfang 1985 war Feierabend. Zunächst. Timo Blunck wurde erfolgreicher Musikproduzent und betreibt heute die Firma Bluwi, die zu den führenden europäischen Produktionsstätten von Werbe- und Filmmusik zählt. Diederichsen machte aus seinem Hobby Journalismus einen Beruf und schrieb und redigierte für unzählige Magazine und Zeitungen, von „Spex“ bis zum „Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt“. Seit Herbst 2006 leitet er den Musikbereich im Berliner Haus der Kulturen der Welt.

 

Trotz dieser schillernden Laufbahnen fanden beide Zeit, sich weiterhin künstlerisch der Musik zu widmen. Blunck nahm Ende der Achtziger zwei Alben mit der Band Grace Kairos sowie Anfang der Neunziger ein Soloalbum auf, Diederichsen produzierte u.a. FSK, Ja König Ja und Folke Jensen und gründete Mitte der Neunziger das Label Moll Tonträger (The Sea And Cake, Souled American, Ethan James). Und auch Die Zimmermänner gab es die meiste Zeit irgendwie weiter. Die Band setzte ihre 1983 begonnene Tradition fort, in Hamburg Weihnachtskonzerte mit diversen Gästen zu geben. Ab Mitte der Neunziger begannen Blunck und Diederichsen ernsthaft über ein neues Album nachzudenken und probierten in unregelmäßigen Abständen im Bluwi-Studio herum. Der Durchbruch kam, als sich die beiden Control-Freaks 1999 entschlossen, einem externen Produzenten bei der Realisierung von neuen Zimmermänner -Titeln komplett freie Hand zu geben. Christoph M. Kaiser, ehemals Bassist der Hamburger Band Jeremy Days und mittlerweile Filmmusik-Komponist und Produzent von u.a. Etta Scollo, Maxim Rad und Quarks, gab mit seinen Produktionen von „Levitenlesen in A-Dur“, „Paderborn“, „Mama Baby Joe“ und „Ich bin ein Wurm“ eine Richtung vor, wie Die Zimmermänner im neuen Jahrtausend klingen könnten. Ein Retro-Reunion-Album, wie es zu einige alte Helden der NDW vorlegten, interessierte Blunck und Diederichsen nicht. Die Aufgabe war vielmehr, das alte Anliegen der Zimmermänner mit neuen Mitteln fortzuschreiben.

 

Die technischen Fortschritte im Bereich der Musikproduktion spielten ihnen dabei in die Hände. War es in der Vergangenheit eher das Problem Musiker zu finden, die bereit und in der Lage waren, die Ideen der beiden umzusetzen, lag nun vor ihnen ein weites Feld von Möglichkeiten, Sounds zu generieren, verfrickelte Arrangements zu realisieren und aus diversen Quellen die gewünschten Ergebnisse zu editieren. Bei der Selektion halfen weitere Produzenten: Ralf Denker und Marco Dreckkötter sind in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen zu finden. Denker zählt zu Deutschlands profiliertesten Studiogitarristen, während Dreckkötter als Sound-Tüftler unterwegs und Mitglied bei Ja König Ja ist (s.o.). Niels Lorenz war Bassist bei den Grace Kairos, bevor er die Quarks mit begründete. Heute produziert er in seinem Berliner Studio diverse Gruppen, während er an seinem ersten Soloalbum bastelt.

 

An „Fortpflanzungssupermarkt“ wirkten außerdem Christian Kellersmann als Saxofonist und Rica „Ede“ Blunck als Sängerin mit, die beide schon 1980 auf der ersten Zimmermänner -EP (dank Rica als Ede & die Zimmermänner ) dabei waren. Kellersmann blieb den Zimmermänner n bis zur Auflösung treu, heute ist er Chef von Universal Classics & Jazz. Rica ist Timos Schwester und vielbeschäftigte Choreographin und Sängerin.

Die Zimmermänner sind mittlerweile keine Boygroup mehr, sondern zwei Familienväter, die viele Geschichten erlebt haben und erzählen können. Ihr Anliegen hat sich nicht geändert, auch nicht die Tatsache, dass niemand in Deutschland ein ähnliches Feld bestellt. Derzeit arbeiten sie an der Live-Umsetzung, um im Frühjahr auf Tour gehen zu können.

 

Die Presse über die Zimmermänner

"Die Raffinesse, das Charmante im Arrangement will hier mit wachen Ohren in
Ruhe erlauscht werden... Eine Produktion, die sich über Jahrzehnte
erstreckte, tatsächlich aber einen unglaublich homogenen Gesamteindruck
hinterlässt... . Und gekauft."
Spex ; 03/07

"Das lustigste Comeback der Popgeschichte. ...vielleicht als Go-Betweens auf
deutsch."
Lift Stuttgart; 03/07

"...ist mit Geschmack und unangestrengter Auskennerei produziert und ...
angenehm "semiaktuell" " Konkret; 03/07

"...ein Pop-Album, das die etablierte Konkurrenz blass aussehen lässt... hat
die Welt im Jahr 2007 eine Band wie diese bitter nötig."
Musikexpress; 03/07

"Potentielle Sommerhits für denkende Menschen findet man auf
"Fortpflanzungssupermarkt" jedenfalls im Überfluss."
Rolling Stone; 03/07

"...freuen sich schon auf die Tour... . Dann wird sicher auch der traurige
Blumfeld-Fan dabei sein, der im Intro-Forum schrieb: "Blumfeld sind fort,
aber die Zimmermänner helfen mir, die Tränen zu trocknen." "
Szene Hamburg; 03/07

"Überhaupt klingt hier alles so frisch und so gegenwärtig nach großartig
großgeschriebenem POP....Keine Zweifel: Der letzte Schlaf war ein
Dornröschenschlaf, und die Jeunesse dorée der Achtziger ist mit goldenen
Falten wieder erwacht."
Intro 03/07

"Fazit: verblüffend"
Bielefelder

"Locker groovende Pop-Songs für die etwas andere Indie-Disco"
GIG (Münster)

"Ihre neuen Songs schwingen wie damals leicht dahin"
Vanity Fair

"Die Beats viel fetter, die Rhythmen viel schwärzer."
"Financial Times"

"... großer Faible für Popmusik mit intelligenten deutschen Texten."
TIP Berlin

"... wie aus dem Nichts ein höchst unkonventionelles, aber ungemein
vergnügliches Elektropop-Album."
MOX Oldenburg

"Songstrukturen, die etwa bei "Christiane Paul" gar zu heftigen Ohrwürmern
mutieren."
Westzeit

"..stets mit deutlicher Hingabe zu großer Popmusik und intelligenten Texten."
Piranha

" Die Songs sind eher als zynische Kommentare zu verstehen denn als Signale
eines vermeintlich authentischen Songwriter-Ichs.... Mit dem momentan so
allgegenwärtigen Befindlichkeitsdeutschrock von Tomte bis Madsen hat das
hier rein gar nichts zu tun.
Stadtrevue Köln

" Während das Songwriting der Zimmermänner perfekter und schlagzeuglastiger
als früher klingt, hat das Duo seinen skurrilen, harmoniesprengenden Humor
unbeschadet ins digitale Zeitalter gerettet."
TAZ

" Ja, für Lieder wie "Levitenlesen in A-Dur", "Warum schmust Du nie mit
meinem Gehirn", "Letzter Tango in Bad Ems" und "Paderborn" hätte sich der
Rezensent sogar die letzte Blumfeld-Platte gekauft. Zuckermann, Baby!"
Junge Welt


 
 
   
 

 

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